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Abenteuer und Bilder aus Tibet gibt es unter der Rubrik EXPEDITIONEN
und im BILD-KATALOG.


Artikel zum Jahrestag des Volksaufstands von 1987
Interview mit S.H. dem 14. Dalai Lama
Dra-ba - Hightech im Hochgebirge















Auszüge aus einem Artikel zum Jahrestag
des Volksaufstands von 1987 in Lhasa
von R.-Philipp Rackwitz

Am 21. September 1987 trug der Dalai Lama seinen 5-Punkte Friedensplan zur Lösung des Konflikts zwischen Tibet und China dem Menschenrechtsausschuss des Repräsentantenhauses in Washington vor. China reagierte wie immer mit Protest und warf den USA "Einmischung in die inneren Angelegenheiten Chinas" vor.

Sechs Tage später demonstrierten etwa 30 Mönche und 200 Zivilisten vor dem Jokhang Tempel im Zentrum Lhasas für ein freies und unabhängiges Tibet. Die meisten von ihnen wurden verhaftet und am folgenden Tag im chinesischen Fernsehen beschuldigt, versucht zu haben, "das Idyll aus Frieden, Freiheit und Wohlstand, in dem das tibetische Volk dank seiner chinesischer Befreier lebt", zu sabotieren. Daraufhin versammelten sich am Vormittag des 1.Oktobers - dem Nationalfeiertag der Gründung der Volksrepublik China - etwa 3000 Menschen vor dem Jokhang Tempel und riefen "Wir fordern ein freies Tibet" und "Es lebe der Dalai Lama". Es kam zu Verhaftungen unter Gewaltanwendung, woraufhin Steine aus der Menge der Demonstranten flogen und die Situation bald eskalierte. Am Abend lag die Polizeiwache am Jokhang Tempel in Schutt und Asche, zahlreiche Polizeifahrzeuge waren ausgebrannt, mindestens 20 Demonstranten hatten im Kugelhagel der Polizei und des Militärs ihr Leben gelassen.

Da die Geschehnisse hauptsächlich durch Touristen der Weltöffentlichkeit bekannt gemacht wurden und es in der Folgezeit immer wieder zu Demonstrationen kam, ist es bis heute fast unmöglich als Einzelreisender ein Visum für die Provinz Tibet zu bekommen. Zu groß sind die Chancen in Kontakt mit Tibetern und Mönchen zu treten und Einblick in die wahren Verhältnisse zu erhalten, die sich hinter den für organisierte Gruppenreisen herausgeputzten Fassaden verstecken. Dabei fällt einem bei einem Spaziergang durch Lhasas Straßen sofort die Präsenz unzähliger Chinesen, ihrer Geschäfte und Restaurants auf. Die Tibeter, sind nur noch in der Altstadt Lhasas rund um den Jokhang Tempel unter sich - und das ist gewollt. Denn nur wenn das tibetische Volk zur Minderheit im eigenen Land wird, ist es beherrschbar. So dienen Höhenzulagen, Entfernungsprämien, Steuervergünstigungen, verkürzte Arbeitszeit und mehr Urlaubsanspruch als Anreiz für Chinesen, nach Tibet umzusiedeln.

Zahlen des Office of Tibet zufolge, leben auf dem ehemaligen Territorium Tibets inzwischen 7,5 Millionen Chinesen, denen noch 6 Millionen Tibeter gegenüberstehen. In Lhasa beträgt der Bevölkerungsanteil der Tibeter gerade noch ein Drittel. China hat zwar 1956 die 4. Genfer Konvention zum Schutze der Zivilbevölkerung in Kriegszeiten unterzeichnet, deren Artikel 49 den Transfer der Bevölkerung der Besatzungsmacht in das besetzte Territorium untersagt, beharrt aber auf dem Standpunkt, Tibet sei historisch betrachtet schon immer ein Teil Chinas gewesen.

Dabei kann es sich allerdings nur auf das Argument stützen, dass Tibet geschichtlich gesehen eine Zeitlang unter mongolischem, und ab Mitte des 18. Jahrhunderts unter chinesischem Einfluss stand. Tibet verlor jedoch nie seine Eigenständigkeit als Staat mit einem von den Tibetern ernannten Regenten. Einzig 1910 versuchte China seinen schwächer werdenden Einfluss durch militärische Mittel zu erhalten. Chinesische Truppen marschierten in Tibet ein und besetzten die Hauptstadt Lhasa. Nachdem jedoch 1911 das chinesische Kaiserreich gestürzt und 1912 die Republik China ausgerufen wurde, vertrieben die Tibeter die chinesischen Truppen wieder und der aus dem Exil zurückgekehrte 13. Dalai Lama erklärte 1913 die Unabhängigkeit Tibets. Ab diesem Zeitpunkt, bis zur völkerrechtswidrigen Annektierung im Jahre 1951, erfüllte Tibet die Kriterien eines selbständigen Staates mit einem eigenen Volk, auf einem eigenen Territorium, mit einer eigenen, unabhängigen Regierung. Dies wurde von der Internationalen Juristenkommission in einem Gutachten 1960 bestätigt und zum selben Schluss kam auch der Wissenschaftliche Fachdienst des Deutschen Bundestages 1987.

Nachdem China 20 Jahre lang die Kultur und Religion der Tibeter gewaltsam unterdrückt hatte, änderte es seinen Kurs Anfang der achtziger Jahre. Die Ausübung des Buddhismus wurde wieder zugelassen und den Tibetern erlaubt, einen Teil der über 6000 während der Kulturrevolution zerstörten Klöster und Tempel aufzubauen. Da China darin aber Anfang der neunziger Jahre die Gefahr einer wachsenden Oppositionsbewegung sah - die meisten Demonstrationen wurden von Mönchen und Nonnen aus den Klöstern angeführt - stoppten die Behörden Ende 1994 den Wiederaufbau der Klöster und starteten eine Kampagne gegen den Buddhismus, die bis heute anhält. Die Zahl der Mönche und Nonnen wurde auf insgesamt 1200 beschränkt, die in ihren Klöstern an Seminaren in chinesischer Ideologie teilnehmen müssen, die dazu dienen sollen, die religiöse, tibetisch-nationale Überzeugung in kommunistisches, China-freundliches Denken umzuwandeln.

Seit dem Start der Kampagne versucht die chinesische Regierung aber nicht nur die Religionsausübung zu beschränken, sondern sich auch in religiösen Fragen und Belangen als oberste Institution zu etablieren, um die Stellung des Dalai Lama zu untergraben. So wurde der Besitz von Dalai Lama Bildern verboten und alle greifbaren Bilder in Klöstern und auf Märkten beschlagnahmt. Nachdem 1989 der 10. Panchen Lama, die zweitwichtigste Person im Staatsgefüge verstarb, erklärte der Dalai Lama 1995 den damals 5-jährigen Gendün Choekyi Nyima zur 11. Reinkarnation des Panchen Lama. Der Junge verschwand bald darauf und einige Monate später bestimmten die chinesischen Behörden ihrerseits durch ein der religiösen Tradition völlig widersprechendes Losverfahren einen neuen Panchen Lama. Nebenbei gaben sie zu, den vom Dalai Lama ernannten Jungen samt seiner Familie an einen unbekannten Ort gebracht zu haben "um sie vor Anschlägen separatistischer Tibeter zu schützen". Seit seinem Verschwinden wurde Gendün Choekyi Nyima nicht mehr gesehen und gilt als der jüngste politische Gefangene auf der Erde.

Neben der kulturellen Zerstörung Tibets, macht China aber auch nicht Halt davor, es in eine Umweltkatastrophe zu stürzen. Massive Waldrodungen zeigen bereits Auswirkungen auf das ökologische Gleichgewicht. Flüsse verschlammen durch großflächige Bodenerosion und überschwemmen mit ihrer schmutzigen Fracht Gebiete in den Nachbarländern. Die in der Erde Tibets zahlreichen und in großen Mengen vorkommenden Erze und Mineralien werden ohne Rücksicht auf Natur und Umwelt abgebaut. Dabei mehren sich in der Nähe von Uranabbaugebieten und deren Abraumhalden, Krebserkrankungen, Todgeburten und "rätselhafte" Tode unter den tibetischen Nomaden. Daneben befindet sich ein Großteil der chinesischen Atomindustrie in Tibet: Testzentren und geheime Endlager, bei denen vermutet wird, dass sie nicht den neuesten technischen Standards entsprechen. Die Gefahr hierbei beschränkt sich nicht mehr nur auf Tibet allein. Eine Verseuchung des Mekong Flusses mit radioaktiven Stoffen zum Beispiel, hätte für jene Länder verheerende Folgen, durch die dieser Fluss fließt: Thailand, Laos und Kambodscha.

Durch die Annektierung Tibets ist China aber nicht nur in den Besitz zahlreicher Bodenschätze gelangt, sondern strategisch gesehen auch in den Besitz eines Flecken Erde, der die Schlüsselrolle bei der chinesischen Expansion auf politischer und militärischer Ebene in Asien spielt. Von Tibet aus ist China in der Lage, Teile Süd- und Südostasiens militärisch zu bedrohen und zu beeinflussen, darunter Länder wie Indien, Kambodscha und Vietnam. So hat China zahlreiche Mittelstrecken-, Langstrecken- sowie Interkontinentalraketen bestückt mit Atomsprengköpfen in mindestens 3 Militärbasen auf dem Boden Tibets stationiert. Die 1912 vereinbarte Grenze zwischen Tibet und Indien wurde von China bis heute nicht anerkannt. In der Vergangenheit kam es immer wieder zu provokativen Grenzverletzungen Chinas. Die Gefahr einer ernsten militärischen Auseinandersetzung in der Zukunft wird von Beobachtern nicht ausgeschlossen.

Seit 50 Jahren ist Tibet ein besetztes Land. Trotzdem glaubt die Mehrheit der Tibeter nach wie vor an ein zukünftiges freies Tibet unter tibetischer Führung. Ihre größte Hoffnung setzen sie dabei auf Tenzin Gyatso, den 14.Dalai Lama, das politische und religiöse Oberhaupt der Tibeter. Nach dem niedergeschlagenen Volksaufstand von 1959 flüchtete er mit seinem Gefolge und rund 87.000 Tibetern nach Dharamsala im Norden Indiens. Dort gründete er die Exilregierung Tibets, die es sich neben der Betreuung der tibetischen Flüchtlinge und der Erhaltung der Kultur und Religion der Tibeter zur Aufgabe gemacht hat, gewaltfrei für die Souveränität des tibetischen Volkes zu kämpfen und eine friedliche Lösung in dem Konflikt mit China herbeizuführen. Doch bisher sind alle Bemühungen des Dalai Lama, einen Dialog mit China zur Lösung der Probleme in Gang zu bringen, gescheitert. Selbst als er 1987 in seinem 5-Punkte Friedensplan von der Forderung eines unabhängigen Tibets abrückte, lehnte Peking das Konzept des Dalai Lama ab. Seine Vorschläge waren Tibet in den Grenzen von 1914 in eine entmilitarisierte Zone umzuwandeln, den Zuzug von Chinesen zu stoppen, die Menschenrechte und demokratischen Freiheiten des tibetischen Volkes zu achten, die Ausbeutung der natürlichen Resourcen Tibets zu beenden sowie die Umwelt zu sanieren und schließlich die Aufnahme ernster Verhandlungen über den zukünftigen Status Tibets.

Doch der Dalai Lama wird nicht müde, bei den Regierungen der Erde mit seinen Vorschlägen zur friedlichen Beilegung des Konflikts vorzusprechen, um den außenpolitischen Druck auf China zu verstärken. Denn für China, in dessen Kultur das Bedürfnis das eigene Gesicht und die Würde zu wahren, tief verankert ist, muss es mehr als unangenehm sein, in der internationalen Gemeinschaft trotz wachsender wirtschaftlicher Verbindungen immer wieder durch Negativschlagzeilen aufzufallen und nicht als gleichwertiges Mitglied akzeptiert zu werden. Bei seinen Besuchen wird dem Dalai Lama zwar oft mit Verständnis für sein Anliegen begegnet und Unterstützung zugesagt, er sieht sich aber auch oft mit wirtschaftlichen Interessen konfrontiert. So zog es zum Beispiel die Bundesregierung bisher stets vor, den Dalai Lama auf inoffizieller Ebene zu treffen, aus Rücksicht auf die wachsenden wirtschaftlichen Beziehungen Deutschlands zu China.


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Auszüge aus einem Interview mit S.H. dem XIV. Dalai Lama

Treffen mit dem Dalai Lama Eure Heiligkeit viele Menschen kennen Sie als das religiöse und politische Oberhaupt der Tibeter, das 1959 nach der chinesischen Besetzung Tibets nach Indien geflohen ist. Die Tibeter verehren Sie nicht nur als ihr Oberhaupt, sondern auch als die Inkarnation des Boddhisatva Avalokiteshvara und Sie werden in der westlichen Welt manchmal als "Gott-König" bezeichnet. Wie würden Sie sich selbst beschreiben?

Als einfachen Menschen und buddhistischen Mönch. Sogar in meinen Träumen sehe ich mich als Mönch und nie als Führer oder als Dalai Lama.
Die Bezeichnung "Gott-König" und besonders die Umschreibung "lebender Buddha" ist irreführend, denn das ist weder die Bedeutung des tibetischen Wortes Lama oder des Sanskrit-Wortes Guru. Die tatsächliche Bedeutung des Wortes Guru und Lama bezeichnet jemanden, der sehr gelehrt ist und respektiert wird und sich durch seine große Weisheit und Güte auszeichnet und bedeutet nicht "lebender Buddha".



Eure Heiligkeit, in den letzten Jahren haben die Chinesen ihren Druck auf die Tibeter in Tibet verstärkt, z.B. durch die Einwanderung von mehr und mehr chinesischen Siedlern und durch die Kampagne gegen den Buddhismus. Sie sagten in einem Interview mit dem Newsweek Magazin unter anderem, dass Sie denken, noch zu Lebzeiten mit einem gewissen Maß an Freiheit nach Tibet zurückkehren zu können. Worauf begründet sich Ihre Hoffnung?

China ist eine große, mächtige Nation, Teil dieser Welt und muss sich der globalen Entwicklung anpassen, in der es keinen Platz für totalitäre Systeme gibt. Außerdem ist auf lange Sicht gesehen die Freiheit des Einzelnen eine wichtige Grundbedingung für positive wirtschaftliche, kulturelle und sonstige Entwicklungen.
Deshalb - von diesem Standpunkt aus beurteilt - wird sich China mehr und mehr öffnen müssen. Es wird vielleicht nicht ein demokratisches Land nach westlichem Vorbild werden, aber mehr Offenheit und Freiheit erlangen. Das ist lediglich eine Frage der Zeit, vielleicht wird es 10, 15, 20 Jahre dauern, ich weiß nicht. Es gibt viele chinesische Experten die derselben Meinung sind. Das sind die Grundlagen meiner Hoffnung.
In der chinesischen Führungsriege gibt es ganz offensichtlich zwei Lager, das der Gemäßigten und das der Hardliner. Wenn diese richtig und kühlen Kopfes über die Interessen Chinas und nicht den Machterhalt der Partei nachdenken, dann - so denke ich - wird ihnen schließlich klar werden, dass ihre derzeitige Tibetpolitik auf lange Sicht gesehen nachteilig für China ist.
Mein Ziel ist nicht die Abspaltung von China, sondern eine zufriedene tibetische Gesellschaft innerhalb der Volksrepublik China, denn dann wird es automatisch mehr Frieden, Stabilität und Einheit geben.



Eure Heiligkeit, Sie sind sehr bekannt in der westlichen Welt. Manche Menschen sagen, Sie sind berühmt wie ein Popstar. Wie auch immer, das hilft das Tibetproblem an die Öffentlichkeit zu bringen und mehr und mehr Bewusstsein dafür zu erwecken. Aber auch der Dalai Lama wird älter.
Besteht nicht die Gefahr, das China damit rechnet und darauf hofft, das die Welt Tibet vergessen wird, wenn es den so bekannten Dalai Lama nicht mehr gibt?


Zuerst, wenn das ganze System einer Bewegung von einer Person abhängt, ist das gefährlich. Deshalb haben wir gleich zu Beginn - ob Sie es nun Exilregierung nennen oder nicht - einige Organisationen ins Leben gerufen, wie auch die Charta, die bestimmt, wie die Funktionen ausgeübt und die jeweiligen Führungskräfte gewählt werden sollen. So, diese Organisationen werden nicht von einer Person geleitet, sondern per Bestimmungen.
Zeitweise wird es einen Rückschritt geben sowie Entmutigung in Tibet als auch außerhalb. Aber, die Tibetproblematik ist eine Sache des gesamten Volkes. Deshalb: die Generationen werden wechseln, aber der Kampfgeist wird erhalten bleiben, innerhalb Tibets, wie auch außerhalb. Aus diesem Grund sage ich seit ungefähr 10, 15 Jahren zu Amtsträgern und Angehörigen der Verwaltung, dass sie ihre Arbeit tun sollen, als ob es keinen Dalai Lama gibt. Wenn dann die Zeit gekommen ist, in der es tatsächlich keinen Dalai Lama mehr geben wird, können sie ihre Arbeit wie gewohnt fortführen.



Eure Heiligkeit, letztes Jahr wurde das sechsmilliardste Kind geboren und Wissenschaftler prophezeien, dass Mutter Erde nicht länger in der Lage sein wird, eine solche Anzahl an Menschen zu ernähren. Wie Sie in ihrer Botschaft für das neue Jahrtausend gesagt haben, wird es in der Zukunft die größte Herausforderung sein, die Bevölkerungsexplosion in den Griff zu bekommen.
Wie sollte oder wie kann sie in den Griff bekommen werden aus der Sicht des Buddhismus?


Ausbildung, Wissen, Bewusstsein über den Stand der Dinge.
Nehmen wir einen einzelnen Fall: ja, menschliches Leben ist wertvoll, so dieses wertvolle Leben zu kontrollieren ist ein Fehler. Aber wenn man die Sache aus einem weiten Blickwinkel betrachtet, gibt es heutzutage auf dem kleinen Planeten einfach zu viele wertvolle Menschen.
So die Frage ist, ob diese wertvollen Menschen weiterhin glücklich leben können oder nicht. Deshalb müssen wir logischerweise über die Bevölkerungskrise nachdenken, im Interesse der gesamten Menschheit. Nicht in dem Sinne, dass jeder an seine eigene Familienplanung aufgrund seiner Probleme denkt, sondern an die gesamte Menschheit. Und auch nicht, dass jeder nur an seine Nation denkt.



Wie ist der Standpunkt des Buddhismus und auch Ihr Standpunkt zu Verhütung und Schwangerschaftsunterbrechung, also Abtreibung?

Abtreibung ist Gewalt. So lange Leben noch nicht entstanden ist, ist Verhütung in Ordnung. Wenn Leben einmal entstanden ist, dann ist es Gewalt, Töten.
Natürlich müssen wir von Fall zu Fall entscheiden. Wenn es sehr ernste Konsequenzen gibt, die wichtiger sind als ein Leben, dann muss man natürlich in Anbetracht der Umstände entscheiden. Aber das ist sehr kompliziert. Generell gesprochen ist es besser Abtreibung zu vermeiden.


Zurück zum Seitenanfang Das Interview führte R.-Philipp Rackwitz in Dharamsala
Copyright R.-Philipp Rackwitz















"Ich wollte etwas sinnvolles tun, bevor ich dreißig werde." Mit diesem Vorsatz nahm sich die Schweizerin Claudia Masüger ein Jahr unbezahlten Urlaub und brach mit der Idee eine Computerschule für tibetische Flüchtlinge aufzubauen nach Nord-Indien auf. Hier ihr Bericht:

Dra-ba - Hightech im Hochgebirge
von Claudia Masüger

Vorgeschichte
Tausende Tibeter aller Altersgruppen riskieren jährlich ihr Leben, um über den Himalaya nach Dharamsala in Indien zu flüchten. Dort hat die tibetische Regierung im Exil ihren Hauptsitz und der Dalai Lama sein Domizil.

Einer der Hauptgründe für die Flucht ist die Chance auf Ausbildung. Es gibt nicht viele Schulen in Tibet, und wenn, dann sind sie meist zu teuer. Viele Tibeter erhalten nie die Möglichkeit lesen oder schreiben zu lernen. Um mit den eingewanderten Chinesen kommunizieren zu können sprechen viele Tibeter heute ein Gemisch aus Chinesisch und Tibetisch, das in jedem Dorf anders klingt.

Wellblechhütten Etwas abseits von Dharamsala gibt es deshalb ein Flüchtlingslager mit integrierter Schule für Erwachsene zwischen 20 und 30 Jahren, die dort die Möglichkeit erhalten Tibetisch, Englisch und ein Handwerk wie Möbelschreiner oder Elektriker zu erlernen.

Meine Idee war es mit der Computerschule den tibetischen Flüchtlingen eine neue Perspektive zu geben, denn um benachteiligte Erwachsene kümmern sich nur die wenigsten Hilfsorganisationen.


Dra-ba Hightech im Hochgebirge
Zu Anfang schickte ich Schulungsmaterial und 5 Laptops aus der Schweiz nach Indien, die dank der indischen Bürokratie 6 Monate brauchten, um vor Ort einzutreffen. Durch Sponsorengelder konnte ich nach und nach insgesamt 23 Computer, Drucker und weiteres Zubehör hinzu kaufen. Das Kursmaterial und den Lehrplan entwickelte ich vor Ort.

Die kulturellen Unterschiede, die langen Wartezeiten auf Handwerker, Probleme mit Hierarchie und Bürokratie sowie das launische Wetter machten den Aufbau der Schule nicht gerade einfach. Den Ansporn durchzuhalten gaben mir die tibetischen Studenten. Sie waren hochmotiviert und überaus lernwillig.

Die ersten Monate saßen sie auf den Verpackungskartons der Computer, da sämtliche Möbel erst hergestellt werden mussten, die Stromkabel wurden zuerst lose in die Steckdose gesteckt. Auf den Internetzugang warteten wir fast 9 Monate und zahlten ein enormes Schmiergeld. Außerdem funktionierte die Telefonverbindung nur bei Sonnenschein. Zu essen gab es meist Reiß mit Linsensoße und als Unterkunft diente mir eine Hütte aus Wellblech, die im Sommer kochend heiß und im Winter klirrend kalt wird.

In einer der ersten Stunden fragte mich Adha, ein Student: "Wie lange dauert es, bis ich einen Computer Pass bekomme?" Es dauerte 10 Monate bis die erste Diplomfeier stattfand. 20 der bisher 80 Computer Schüler haben den Basiskurs und einen Teil des Advanced-Kurses bereits abgeschlossen. Neben Grundkenntnissen und der Schulung im Umgang mit Office'97 Programmen, erhielten sie eine Einführung in die Hard- und Softwareinstallation, Photoshop, PageMaker, Frontpage, HTML- und Flashprogrammierung.

Schulungsraum Leider müssen viele Studenten auf Grund der befristeten Zeit im Flüchtlingslager die Schule schon bald wieder verlassen. Daher ermöglichten wir den 5 besten Studenten eine IT-Schule in Indien zu besuchen. Dort leben sie zusammen in einer Wohngemeinschaft und besuchen neben der IT-Ausbildung eine indische Schule, in der sie die Klassen 10. bis 12. nachholen können.

Mit Hilfe der Website www.dra-ba.net, in der unter anderem monatliche Berichte sowie Geschichten der Studenten zu lesen sind, fanden sich einige Freiwillige, die nun vor Ort mithelfen. Dadurch konnte ich auch die Zukunft des Projektes sicherstellen. Einer der Studenten aus den Anfängen arbeitet bereits als Assistent und Hilfslehrer in der Computerschule mit. Gyalba, ein weiterer Student, träumt davon in Tibet eine eigene Computerschule zu eröffnen.


Copyright Text und Bilder Claudia Masüger


Zurück zum Seitenanfang Wenn Sie weitere Informationen wünschen oder diese Projekt unterstützen möchten, wenden Sie sich bitte an:
Contact@Dra-ba.net oder Claudia Masüger.